Pressestimmen

Plakat: "Die Judenbank" Antenne Brandenburg:

Ein Theatertipp für Potsdam jetzt für Sie: "Die Judenbank" heißt das Stück und führt zurück in die Nazizeit. Auf der Bühne sitzt ein Mann in einer braunen Joppe und in abgewetzten schwarzen Hosen auf einer Holzbank. Es ist Dominikus Schmeinta, der sich an eine Begebenheit in seinem Dorf erinnert. Die veränderte sein Leben grundlegend. Denn eines Tages ent-deckte er an seiner Lieblingsbank ein Schild ("Nur für Juden").

Der recht einfache Bursche versteht nun die Welt nicht mehr, und schon gar nicht die Zeichen der Zeit. Aber er sucht sich nicht etwa eine andere Bank, sondern er beschließt, die an seine Bank geschraubte Forderung zu erfüllen und Jude zu werden. Das ganze Stück besteht aus den Erinne-rungen des Dominikus in nachgespiel-ten Dialogen mit verschiedenen anderen Dorfbewohnern.

Lars Wild spielt den einfältigen und gleichzeitig bauernschlauen Dominikus - der wird am Ende ins KZ kommen. Dennoch ist "Die Judenbank" kein Be-troffenheitsstück und keine trockene Geschichte. Das Thema Nationalso-zialismus und Alltagsfaschismus kommt lebendig und unkonventionell herüber - der Regisseur Patric Tavanti sieht es täglich aktuell.

Eine Stunde und zwanzig Minuten dauert die spannende Aufführung, die Zuschauer applaudierten bei der Premiere lange und waren von der un-komplizierten, zuweilen lustigen Her-angehensweise an das Thema beein-druckt.

Lars Wild als Dominikus
Märkische Allgemeine Zeitung:

Liebgewordener Sitz nun unbrauchbar
Premiere im Kunstwerk: "Die Judenbank"

Mit Seufzern und dem Ausdruck der Erinnerung im Gesicht sitzt Dominikus Schmeinta auf einer Bank. Auf dieser Bank darf er sitzen, sie liegt im Garten einer Heil- und Pflegeanstalt und sie ist nicht mit dem Schild "Nur für Juden" gekennzeicnet. Anders "seine" Bank in seiner Heimat Ottersdorf, die mit diesem Schild unbrauchbar geworden ist, da in dem Ort nach der Vertreibung des jüdischen Viehhändlers Feicht endgültig kein Jude mehr lebt.

Aber das ist eine andere Geschichte, eine von den vielen, die Dominikus dem Publikum zu erzählen weiß.

Das Stück "Die Judenbank" hatte am Samstagabend im Kunstwerk Premiere. Das Solostück des schwäbischen Autors Reinhold Massag erzählt die Geschichte des kleinen Fleckens Ottersdorf und den Entwicklungen, die die Bewohner mit dem Nazi-Regime ereilt.

Im Zentrum steht der von Lars Wild gespielte Dominikus Schmeinta, der die Gebote achtet, auch die verbote und dem die Beschilderung seiner Lieblingsbank so zu schaffen macht, dass er sich dafür entscheidet, Jude zu werden. "Sehr geehrter Herr Führer beginnt er einen Brief nach Berlin, in dem er um Konvertierung zum Judentum bittet.


Als gutmütiger "Minikus", wie die Freunde Dominikus nennen, redet er frei von der Seele weg über den Klatsch und die Intrigen im Dorf. Etwa über die Nachbarin Lena, die ihren Mann Hermann denunziert und ins KZ bringt, während sie vom Bürgermeister Roman ein Kind erwartet. Oder über seinen Neffen Hansi, der als Sohn Romans seine Familie gefährdet sieht und Trost bei seinen Kaninchen sucht.

Lars Wild schlüpft dabei nacheinander in acht verschiedene Rollen. Vom naiven Minikus, der wegen seines Muskelschwundes nicht zum Hitlergruß fähig ist, zum herrischen Roman und vom Mitläufer und Freund Weibel zum sensiblen Hansi. Selbst die Klatschweiber verkörpert Wild, ohne sich Albernheiten preiszugeben. Er nimmt Gestus und Sprache der Dorfbewohner an und landet am Ende wieder beim Minikus, der mit sichtlicher Freude neue Details und Geschichten erzählt, ohne den wahren politischen Hintergrund der Ausgrenzung der Juden oder des Greuels des KZs zu begreifen.

Der Schaukasten des Hetzblattes "Stürmer" wird mit Kuhdung beschmiert, "jetzt ist er auch von außen braun" - mit wohldosiertem Humor erreicht die geschichte das Publikum. Gutgläubig begibt sich Minikus ins Verderben: Der Brief führt zu Ermittlungen der Gestapo, die den Ahnungslosen in die Anstalt überweist.
Die Nazipolitik der "Euthanasie" macht auch vor ihm nicht Halt, am Ende seiner Geschichte steht die "Verlegung"

Lars Wild gab eine anrührende, weil sensible Darstellung des liebenwerten Dominikus, und Regisseur Patric Tavanti gelang es am 9. November, jenem Tag, an dem die Nazis 1938 die "Reichspogromnacht" inszenierten, einfühlsam auf die Problematik aufmerksam zu machen.

P.D.

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