- Theologisch-dramaturgischer Ansatz
„Franziskus oder die drei Herzen der Liebe“ verbindet Motive der franziskanischen Spiritualität mit dem christlichen Doppelgebot der Liebe, wobei letzteres aufgefächert wird in seine drei Aspekte (drei Herzen) der Liebe: Die Liebe zu Gott, zum Nächsten und zu sich selbst.
Das Stück verbindet formal Elemente des Schauspiels (ein Schauspieler) mit dem Tanz (eine Tänzerin), wobei das Schauspiel (Sprechtheater) die Realität des Hier und Jetzt, der Tanz die spirituelle Wirklichkeit (Vision, Traum, Allegorie, Himmelsmacht) veranschaulichen.
Das Stück nimmt Bezug auf das Veranstaltungsprogramm/ die Angebote der ökumenisch-geschwisterlichen Netzwerkinitiative der Franziskanischen Orden „clara-francesco“.
Dabei werden einzelne Etappen des spirituellen Entwicklungsweges des Menschen durch einen Hauptspielstrang (Franziskus sucht 1224, zwei Jahre vor seinem Tod, zurückgezogen in die Einsamkeit einer Höhle nach einer tieferen Gotteserfahrung) schauspielerisch wie tänzerisch in Szene gesetzt.
2. Inhaltliche Grundgedanken
Franziskus hat sich 1224 in die Einsamkeit einer Höhle nahe Assisi zurückgezogen. Er hat zwei Bitten an Gott: „O Herr Jesus Christus, ich bitte Dich, schenke mir zwei Gnadengaben, bevor ich sterbe: die erste ist, dass ich so sehr wie möglich in meiner Seele und in meinem Leibe die Leiden spüren möge, die Du, o milder Jesus, in Deiner bitteren Passion hast ausstehen müssen; die zweite, dass ich so sehr wie möglich in meinem Herzen jene Liebe ohne Maßen empfinden möge, von der Du, der Sohn Gottes, entflammt bist, und die Dich bewog, freiwillig so viel für uns, elende Sünder, zu leiden!“
Franziskus führt einen tagelangen Kampf der Entbehrungen und des Ringens um Gottes Nähe, ein tieferes Verständnis und eine persönliche Verbindung zu Gott. Auf diesem Weg der Erkenntnis und des Glaubens kehrt der Heilige Franziskus (und mit ihm der Zuschauer) in der Erinnerung an seine Anfänge als jugendlicher Lebemann zurück („Ich lebte zwanzig Jahre lang, als ob es Christus nicht gäbe“). In Rückblenden, kurzen Monologen und Dialogen mit der Heiligen Clara, die ihm im Verlaufe des Stückes ebenso erscheint und als Gesprächspartnerin dient wie die allegorische Figur der Liebe/ Herrin Armut, durchlebt er nochmals die wesentlichen Etappen seines Lebens und Glaubensweges. Die Suche nach Gott, sein Erweckungserlebnis am Kreuz von San Damiano („Baue meine Kirche wieder auf!“), seine Jahre als Wanderprediger werden in spielerischen Szenen („Hört, was euch der Herr durch mich, den Poverello verkündet.“) dargestellt. Ebenso aber werden in Monolog und Musik auch die spirituellen Erlebnisse und Einsichten eines der wichtigsten und über alle Konfessionen verehrten Mystikers des Christentums (Br. Niklaus Kuster, 2002) für den Zuschauer erfahrbar gemacht. Franziskus muss im Verlaufe des Stückes in der Konfrontation mit sich selbst und auf sich zurückgeworfen erst die Liebe zu sich selbst annehmen (Krankheit, Begegnung mit dem Aussätzigen), in einem weiteren Schritt diese Liebe auf die ganze Schöpfung ausdehnen (Sonnengesang, Vogelpredigt), um in einem letzten Schritt über die Nächstenliebe die tatsächliche und vollkommene Liebe Gottes empfangen zu können („Erleuchte die Finsternis in meinem Herz ... und lass mich erkennen, wie ich deinen Auftrag erfülle“). Durch das Erscheinen des Seraph wird der Höhepunkt des Stückes mit der legendären Stigmatation des Heiligen angekündigt. Franziskus erkennt, dass Gottes Liebe schon immer und vollkommen in ihm lebte, er sie aber erst durch die Erfahrung der Liebe zu sich selbst und zum Nächsten erkennen und annehmen konnte, um sie in ihrer ganzen Fülle zu erfahren. Nur so wurde er bereit, dass Gott seine zwei Wünsche an ihm erfüllen konnte.
Dabei soll auch für den Zuschauer erkennbar und im Spiel erfahrbar werden, dass die franziskanische Spiritualität zwar in einer sehr persönlichen und individuellen Gottesbeziehung ruht, darin aber nicht ihre Erfüllung findet. Diese kann nach franziskanischem Verständnis nur erfahren werden in der direkten Konfrontation mit dem Leben und der Welt, im aktiven Dienst für Gott durch den Dienst am Menschen und durch die selbstgewählte Armut in der Nachfolge Christi als Dienst und Option für die Armen. So wird franziskanische Spiritualität auch zu einem Impuls zum sich Einmischen in das weltliche Geschehen und ruft - statt zur frömmelnden Weltflucht - zum aktiven Engagement auch in unserer heutigen globalisierten Welt auf.
Damit will das Stück auch eine Brücke schlagen zwischen der Botschaft Franziskus, die im 13. Jahrhundert die Kirche aber auch die Welt veränderte und unserer Gegenwart, in der ebenso wie zu Franziskus´ Zeiten Verunsicherung, Glaubenskriege, wirtschaftliche Umbrüche und soziale Kälte und Abschottung das Leben der Menschen prägen.
Eine Lösung unserer Probleme findet der Einzelne nicht originär in der Politik, sondern im Glauben. Sein Dienst für Gott aber, wird so zu einem aktiven Dienst am Menschen selbst.
3. Der Ort
Der Platz vor St. Anna ist ein abgeschlossener Vorplatz, der, von Bäumen zur Straße hin abgegrenzt, direkt an der U-Bahnstation im Zentrum Münchens liegt. Hier könnte eine Bühne für die abendliche Vorstellung des Theaterstücks aufgebaut werden. Tagsüber könnte die Bühne von Musikgruppen und Chören, nach der Vorstellung z.B. für andere Open-Air-Veranstaltungen genutzt werden. Weitere Stände und Angebote könnten den Platz vor St. Anna zu einem zusätzlichen und besonderen Ort des Geistlichen Zentrums in Verbindung mit dem Franziskanerkloster bilden.
Außerdem wäre eine weitere Vorstellung im Geistlichen Zentrum anzustreben. Sollte eine Aufführung vor St Anna nicht realisiert werden können, so wäre die Aufführung im Geistlichen Zentrum als weiteres inhaltliches Angebot der Netzwerkinitiative „clara-francesco“ wünschenswert.
4. Mitwirkende
Patric Tavanti (Autor, Regisseur und Schauspieler)
war nach seiner Schauspielausbildung u.a. an der Landesbühne Sachsen-Anhalt, am Theater Freiberg und Theater Bremen engagiert. Seit 2002 arbeitet er auch als Regisseur und Autor. So schrieb und inszenierte er u.a. „Die weiße Rose“, „Nein!“ und „Schillers Kabale“ für den Weimarer Kultur-Express. „Keine Chance“, ein Stück über Jugendgewalt, ist beim Theaterstückverlag München, erschienen. Seit 2005 wirkt er als Sprecher in dem MusikTanzTheater „clara.francesco“ mit. 2008 produzierte er mit der Choreographin Barbara Lins die TanzTheaterProduktion „Das Schweigen Gottes“ (Prem.: 19. Okt. 2008, Dom St. Blasien). Außerdem schrieb und inszenierte er im Auftrag der Franziskanischen Netzwerkinitiative das Theaterstück „Wer in der Liebe bleibt“ anlässlich des 32. Deutschen Evangelischen Kirchentags in Bremen (Mai 09)
weitere Informationen: http://www.tavanti.de/
Antje Alberts (Choreographie und Tanz)
ist Tänzerin, Dipl. Pädagogin, Tanzpädagogin. Sie arbeitet seit ihrer Ausbildung als Tänzerin in freien Ensembles im In- und Ausland, u. a. in Freiburg, Berlin, Sibiu/ Rumänien. Von 1990 bis 1997 war sie als Pädagogin für die Bremer Landeskirche tätig. Seit 2005 ist sie bei dem MusikTanzTheater „clara.francesco“ engagiert und wirkt auch als Tänzerin in den Produktionen „Das Schweigen Gottes“ und „Wer in der Liebe bleibt“ mit, hier zeichnete sie auch für die Choreographie verantwortlich. 2009 begann sie ihre Tätigkeit als Unterrichtsleiterin an der Bremer Schule für Bewegungspädagogik „Die Wirkstatt“. In ihrer pädagogischen Arbeit verbindet sie Elemente des zeitgenössischen Tanzes mit Improvisation, der Franklin-Methode und Contact Improvisation.
Außerdem ist sie Dozentin der Fortbildung „Dance&Praise®“ und verwirklicht in der kirchlich-sozialen Bildungsarbeit Solo- und Gruppenprojekte.
weitere Informationen: http://www.antje-alberts.de/
Postulanten der Franziskaner
Nach der sehr erfolgreichen Aufführung des Stücks „Wer in der Liebe bleibt“ mit den Postulanten der Franziskaner auf dem 32. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Bremen wird über eine neuerliche Beteiligung der Postulanten an der Theaterproduktion nachgedacht. Hier gilt es noch organisatorische Fragen zu klären.
|